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In Wehr standen seit alters her zwei
Kapellen, im Oberdorf die St. Leonhard Kapelle an der Ecke Marktstraße –
Grabenstraße – Geringweg und im Unterdorf die St. Anna Kapelle an der Ecke
Niederzissener Straße – Gleeserstraße.
Bei den Kapellen handelt es sich um Jahrhunderte alte Andachtsstätten. Die
Gebäude sind bereits auf der ältesten Karte von Wehr aus dem 16. Jahrhundert
abgebildet. Vermutlich wurden die auf der Karte abgebildeten Kapellen jedoch
in der Folgezeit erneuert oder umgebaut.
Weil die Kapellen den damaligen
Machthabern offenbar ein Dorn im Auge waren und angeblich den Verkehr
behinderten, wurden sie am 19. März 1942 abgebrochen.
Bei der St. Anna Kapelle handelt es sich, wie auf alten Fotos zu
sehen ist, um einen quadratischen Bau aus Wehrer Stein. Den oberen Abschluss bildet ein spitzes schiefergedecktes
Walmdach.
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St. Anna Kapelle Foto: Pfarrarchiv |
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Aus der Art der Quaderung kann geschlossen werden, dass die
Kapelle in dieser Form erst nach 1800 errichtet wurde. Das Gebäude hatte
eine Rundbogentür und ein Rundbogenfenster mit Basalteinfassung. In der Kapelle
befand sich eine Statue der Mutter Anna mit ihrer Tochter Maria aus dem 18.
Jahrhundert.
Neben der Kapelle Richtung Gleeser
Straße befand sich eine „Pötz“, also ein Brunnen. Der Deckstein des Brunnens
ist auf dem Foto noch gut zu erkennen. Dieser Brunnen wurde bis zum Bau der
Wasserleitung und nach Aussage von Anwohnern auch noch später, zur
Wasserentnahme für das Vieh genutzt. Auf einem Foto von 1927 ist der
Brunnenaufbau noch zu sehen. Als Kinder haben wir durch eine Spalte noch
Steine in den Brunnen geworfen. Das plumpsen der Steine auf dem Wasser war
deutlich zu hören. Die Decksteine dieses Brunnens waren noch bis in die
fünfziger Jahre sichtbar. Beim Ausbau der Niederzissener Straße im Jahre
1967 wurde der Brunnen zugeschüttet. Heute noch ist deutlich zu sehen, wo
sich der Brunnen befunden hat. Die Straßendecke sinkt ca. 2 m von der Ecke
des Wohnhauses Gleeser Straße 1 immer wieder ab.

Die Figur der Mutter Anna wurde vor dem
Abbruch in Sicherheit gebracht. Foto: Fredy Wyrwas
Nach dem Krieg wurde der Wunsch laut,
die St. Anna Kapelle an einer anderen Stelle neu aufzubauen. Es dauerte aber
bis zum Jahre 1955, bis dieser Wunsch konkrete Formen annahm. Der damalige
Pastor Josef Jungbluth ergriff die Initiative.
Im Pfarrarchiv heißt es: „Das katholische Volk möchte für die während des
Krieges als Verkehrhindernis beseitigte Kapelle eine neue errichten. Die
alte Figur soll darin eine Aufstellung finden.“
Von dem damaligen Bürgermeister Karl Zwick wurde zusammen mit dem
Vermessungsrat Scheben vom Kulturamt Mayen der Standort ausgesucht. |
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Dieses ist auch offensichtlich so
geschehen. Ein Spendenaufruf erbrachte nach
vorhandenen Unterlagen die Summe von 438,00 DM. Die Spendenlisten sind
leider nicht mehr vollständig, es ist nur noch die letzte Seite vorhanden.
Es gibt keine Aufstellung über die Baukosten, jedoch durch addieren der
vorhandenen Einzelrechnungen errechnet sich eine Bausumme von ca. 5.771,00
DM.
Aus der großen Differenz zwischen den
verzeichneten Spenden und den Baukosten ist zu vermuten, dass es auch noch
größere private Spender gegeben haben muss. In den Protokollen des
Kirchenvorstands findet sich nämlich kein Hinweis darauf, das auch
Haushaltsmittel für den Bau der Kapelle eingesetzt wurden. Gleichfalls gibt
es auch im damaligen Protokollbuch der Gemeinde keinerlei Hinweis darauf,
dass sich diese finanziell am Bau der Kapelle beteiligt hat. Es hat im Ort
geheißen, der Geschäftsmann Max Beu habe versprochen, als Dank für ein gutes
Ende des 2. Weltkrieges die abgebrochene St. Anna Kapelle neu aufzubauen. In
welchem Umfang er sich jedoch am Bau der St. Anna Kapelle beteiligt hat, ist
nicht bekannt. Ebenfalls soll Franz Hackenbruch, ein Veteran aus dem 1.
Weltkrieg, den Bau großzügig unterstützt haben.
Der Bau wurde mit Grauwacken aus dem
Steinbruch Han Merten in Niederzissen errichtet. Der Transport der Steine
erfolgte unentgeltlich durch Wehrer Landwirte. Die Maurerarbeiten wurden von
der Fa. Josef Durben aus Wehr zu einem Vorzugspreis ausgeführt. Es haben
sich auch örtliche Maurer unentgeltlich an dem Bau beteiligt. Hier sind
stellvertretend Herbert Durben, Karl Heckenbach und Alex Pütz zu nennen.
Am 08.05.1958 bittet Pfarrer Jungbluth
das bischöfliche Generalvikariat „gehorsamst“ die Kapelle am Fest der Hl.
Anna einsegnen zu dürfen. Die Einweihung erfolgte dann am 29.07.1958.
Zuvor war die Figur der Mutter Anna in
der Kunstwerkstätte Schlich in Polch für 250,00 DM restauriert worden. Es
heißt, dass die Kosten hierfür von einer privaten Spenderin übernommen
wurden.
Nach einem Festgottesdienst in der
Pfarrkirche, mit einer Predigt von Pater Karl aus Maria Laach, bewegte sich
eine große Prozession hinter der schönen Figur der Mutter Anna hinauf zum
Nohlesberg. Vor der neuen Kapelle sprach Definitor Jungbluth Dankesworte an
alle, die zum Bau der schönen Kapelle beigetragen hatten.
Er wies auch darauf hin, dass neben der
unentgeltlich geleisteten Arbeit auch viele ungenannter Spender das Werk
gefördert hätten. Nun wurde die neue Andachtsstätte mit Gebet und Gesang
feierlich eingeweiht.
Viele fanden seither den Weg dorthin, um der Mutter Anna ihr Anliegen
vorzutragen und die Gottesmutter um Beistand, Segen und Trost zu bitten. Wer
als Fremder zum erstenmal zur Kapelle hinaufsteigt, ist begeistert von der
herrlichen Aussicht und denkt unwillkürlich an das schöne
Gedicht von Ludwig Uhland
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„Droben steht die Kapelle, schauet
still ins Tal hinab“.
Leider wurde die Kapelle anfangs der Siebziger ein Objekt der Zerstörung. So
wurden durch Heranwachsende die Dacheindeckung und die Dachrinnen mutwillig
zerstört. Die Fenster wurden mit Steinen eingeworfen, im Innenraum sogar
Feuerchen entzündet. Die Außentür aus Holz wies starke Schäden auf.
Angesichts dieser Umstände wurde die Figur der Mutter Anna ins Pfarrhaus in
Sicherheit gebracht, wo sie noch heute aufgestellt ist. In der Folgezeit
wurde immer wieder versucht, die Kapelle vor der totalen Zerstörung zu
bewahren. Durch das undichte Dach war der Bau aufs äußerste gefährdet. Auf
Veranlassung der Gemeinde wurde anfangs der 80. die Restaurierung in Angriff
genommen. Die Dachrinnen wurden erneuert und das Dach mit Schiefer neu
eingedeckt.
Freiwillige Helfer erledigten die übrigen Arbeiten. Hier sind besonders
Karl-Heinz Weidenbach, Reinhold Durben und Raffael Kedak zu nennen.
Weidenbach schmiedete u. a. ein neues Außentor. Dadurch ist die Kapelle
besser durchlüftet und außerdem jederzeit von der Straße aus einsehbar. Die
Neuverglasung der beiden Rundfenster fertigte Kedak. Eine neue Betbank wurde
aufgestellt und eine Konsole für die Mutter-Annafigur geschaffen.
Da es zu gefährlich schien, die wertvolle Barockfigur der Mutter Anna wieder
in der offenen Kapelle aufzustellen, fertigte der Wehrer Hobbyschnitzer
Erwin Zwick als Ersatz eine kleinere Kopie, welche seitdem in der Kapelle
aufgestellt ist.
Auch in der Folgezeit kam es hin und wieder zu Beschädigungen, doch Dank
großzügiger Spender konnten diese immer wieder beseitigt werden. Seit der
Restaurierung kümmern sich einige Wehrer Einwohner liebevoll um die Pflege
und die Unterhaltung des Gebäudes und der gesamten Anlage.
Immer wieder sieht man Beter auf dem Weg zur Kapelle, aber auch viele
vorbei-kommende Wanderer halten dort eine kurze Rast und nutzen die Zeit zu
einem kurzen Gebet.
Am St. Annatag, dem 26.07.2008, soll nun im Rahmen eines Festes die 50.
Wiederkehr der Einweihung gefeiert werden. Im Pfarrgemeinderat werden
zurzeit Vorbe-reitungen getroffen. Das Fest soll mit einem Gottesdienst an
der Kapelle durch Pater W. Nick eingeleitet werden. Daran anschließend soll
ein kleines Fest stattfinden. Es wird ein Imbiss gereicht, für den
freiwillige Spenden zugunsten der Kapelle entgegengenommern werden.
Ein Fahrdienst kann unter T. 02636/800796 angefordert werden. Bei schlechtem
Wetter findet die Veranstaltung in der Kirche und im Pfarrhaus statt. Möge
die Kapelle noch lange auf unser Dorf hinabschauen!
Quellennachweis: Pfarrarchiv Wehr
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